Noch keine Kommentare

weekly input: Esra 1,1-3

weekly input vom 10.09.2020

 

Hallo ihr Lieben,

willkommen zurück nach der Gemeindesommerpause. Diesen Sonntag sehen wir uns endlich wieder. Der Weekly Input für diesmal ist ein wenig länger geworden. Aber ich dachte, dass das nach der langen Pause vielleicht gar nicht schlimm ist. 😊 Ein lieber Gruß zu euch, ihr Schätze und bis Sonntag. Eure Tine für’s ÄT.

 

Beziehungs.fest

 

Neulich kam ich im Bibelleseplan an Esra vorbei.

Dort steht, wie Gott sein Volk zurückholt aus der Gefangenschaft der Babylonier. Bzw. zu dem Zeitpunkt hatte es bereits einen Machtwechsel gegeben und nicht mehr Babylon war am Drücker, sondern die Perser. Israel war aber immer noch verschleppt. Und dann steht da:

 

Im ersten Regierungsjahr von Kyrus, dem König von Persien, ging in Erfüllung, was der Herr durch den Propheten Jeremia angekündigt hatte. Der Herr gab dem Perserkönig den Gedanken ein, in seinem ganzen Reich ausrufen und auch schriftlich bekannt machen zu lassen: »Kyrus, der König von Persien, gibt bekannt: Der Herr, der Gott des Himmels, hat alle Königreiche der Erde in meine Gewalt gegeben. Er hat mich beauftragt, ihm in Jerusalem in Judäa einen Tempel zu bauen. Hiermit ordne ich an: Wer von meinen Untertanen zum Volk dieses Gottes gehört, möge im Schutz seines Gottes nach Jerusalem in Judäa zurückkehren und dort das Haus des Herrn, des Gottes Israels, bauen; denn er ist der Gott, der in Jerusalem wohnt.      [Esra 1,1-3]

 

So schnell kann es gehen. Gott gibt dem sich gottgleich fühlenden Machthaber einen Gedanken ein und schon ist Rückkehr nach Jerusalem und Tempelbau für den Gott des Himmels kein Problem mehr. Wie mag es Esra und dem übrigen Volk gegangen sein, als sie dieses Wunder miterlebt haben? Konnten sie es glauben? Lagen sie nächtelang wach und trauten sich kaum, sich zu bewegen, aus Angst diese wundersame Wandlung wie eine Seifenblase zerplatzen zu sehen? Doch es bleibt dabei. Eine Abordnung kehrt zurück und beginnt mit dem Tempelbau, denn Gott hat die Ampeln auf grün gestellt und wo Gott ja sagt, da kann niemand nein sagen.

Bis es zu Problemen kommt. Aus dem Nichts tauchen Widersacher auf. Erst wollen sie sich unter die Arbeitenden mischen und tun freundlich. Doch sie werden durchschaut und die Mitarbeit wird ihnen verwehrt. Damit gehen sie aber erst richtig in Opposition und schaffen es durch Verleumdung und Gerüchte, die sie am persischen Hof streuen, dass das komplette Bauvorhaben gestoppt wird.

Warum dürfen sie das? Hatte Gott nicht eben noch die Weichen gestellt und alles in’s Rollen gebracht? Hatte der Herr selbst nicht das Versprechen gegeben? Haben die Israeliten nicht diesmal alles richtig gemacht, waren fleißig voller Glaube an die Arbeit gegangen, sich gegen die Feinde gestellt und sich vertrauensvoll auf ihren Gott verlassen? Wie kann es dann sein, dass die Feinde erfolgreich intrigieren? Oder war es am Ende gar nicht Gottes Wille?

 

Das Ende der Geschichte ist, dass Gott erneut eingreift. Der Tempel wird erfolgreich zu Ende gebaut, ebenso wie die Mauer der Stadt Jerusalem und ihre Häuser. Das verstreute Israel kann zurückkehren, ganz so, wie es von Gott durch Jeremia versprochen wurde. Doch auf dem Weg dorthin ging nicht alles glatt. Es gab Rückschläge, Herausforderungen, Prüfungen und viele schlaflose Nächte und aufreibende Tage.

 

Unsere Gemeinde hat Anfang des Jahres von Gott das Jahresmotto „beziehungsfest“ bekommen. Mit all seiner Doppeldeutigkeit…beziehungsfest sein, ein Beziehungsfest feiern. Wir war waren so froh über dieses Wort und planten munter die Gemeindefreizeit, die voll unter dieses Motto fallen würde. Uns fiel ein Referentenpaar ein, das perfekt passen würde, aber unsere Anfrage kam kurzfristig – sie hatten trotzdem Zeit und Lust zu kommen. Alles lief, weil Gott es eingespurt hatte.

Und dann kam Corona.

Die Freizeit musste abgesagt werden. Beziehungsfeste konnten wir auch zu Hause nicht feiern, zumindest nicht als ganze Gemeinde. Selbst beziehungsfest zu bleiben, ist in dieser Zeit eine Herausforderung, die nicht an allen Punkten gelingt. Haben wir uns verhört, Anfang des Jahres? War alles Eingespurte nur Zufall und Gott hat gar nicht gesprochen? Wie kann es erst so entschieden in eine Richtung gehen und plötzlich ist da eine unsichtbare Mauer?

 

Der Esratext hat mir gezeigt, dass Gott Widerstände zulässt. Auch auf dem Weg, den er selbst geebnet hat. Warum das so ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Wenn ich in Esra und später in Nehemia (die beiden Bücher gehören zusammen) weiterlese, dann nutzt Gott die Widerstände, um seine große Macht und Herrlichkeit zu zeigen. Die Widerstände machen deutlich, wie groß unser Gott ist.

Vielleicht möchte Gott einfach nur, dass wir von ihm abhängig bleiben? Dass wir in seiner Nähe bleiben? Vielleicht möchte Gott, dass wir uns nicht von seiner Hand lösen und auf dem geebneten Weg schon mal vorausrennen. Sondern dass wir die wachen Nächte mit ihm reden, uns von ihm beruhigen und inspirieren lassen. Vielleicht möchte er, dass wir an den harten Tagen mit unserem Stöhnen und der fehlenden Kraft zu ihm kommen. Mit all unserem Schmerz, der Angst und auch der Verzweiflung.

 

Wir leben unser Gemeindemotto für diese Jahr weiter. Holperig, unvollkommen. Gerade an den Ecken tut es weh, wo wir sehen, was alles hätte sein können und nun nicht ist. Aber wir sind uns auch wieder neu der Abhängigkeit von Jesus bewusst geworden – und wie schnell es geht, dass man sich von einem gegebenen Wort abwendet und einfach nur versucht im neuen Alltag zu überleben; zumindest gilt das für mich. Wie oft musste ich in den letzten Wochen und Monaten umkehren, mich bei Gott entschuldigen und nochmal von vorne anfangen. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Aber mit der Esrageschichte bin ich mir sicher, dass Jesus seinen Weg weitergehen wird. Und ich bin gespannt, wie er mit uns beziehungsfest werden wird. Denn letzten Endes geht es ja nicht nur um die Beziehung zwischen uns Menschen, sondern vor allem auch um die Beziehung zu ihm.

Einen Kommentar posten